| Dass man deutschsprachigen Punkrock
durchaus noch weiterentwickeln und bereichern kann, stellen d.h.
mit ihrem neuen Album eindrucksvoll unter Beweis. Drei Jahre nach
ihrem Debüt "Kurz Hose, Holzgewehr!!!" melden sich
die Jungs aus Leipzig nun mit einem Nachfolger zurück, welcher
sie in deutschsprachig punkrockenden Gefilden in die erste Liga
katapultieren sollte: Großartige, jedoch nicht zu befindlichkeitsfixierte
Texte mit Tiefgang treffen auf ein Sammelsurium aus solidem Punkrock
mit perfekt integrierten Akustik-Passagen, Streichern, Bläsern
und Pianos. Vom ersten Moment an nehmen den Hörer Songs wie
"Boxengassenhauer", "Endlos schleifen", "XYFDGB",
"Bonusmeile", "Spielverderber Schüttelfrost"
oder "Blockhäuserblocks" mit auf eine Reise aus Alltagsbeobachtungen
und Einzelschicksalen. Ausfälle sind dabei nicht zu verzeichnen.
Das abschließende Stück "Festhalten mit loslassen"
fasst mit "der Moment der zerstörte / das Fundament das
verkohlte / mein Brandfleck im Blick zurück / Zurückmüssen
stinkt zum Himmel" die Philosophie der Platte und der Band
geradezu programmatisch in Worte. Zurück muss nach diesem großen
Schritt nach vorne glücklicherweise niemand mehr. Menschen,
die Turbostaat, die Boxhamsters oder Oma Hans mögen und d.h.
dabei bisher übersehen haben, sollten dieser Platte auf jeden
Fall eine Chance geben. Der Rest lacht zumindest über den grenzgenialen
Titel. Stephan Thanscheidt (VISIONS) 8 Punkte
Drei Jahre nach ihrem Debüt ist sie endlich wieder mit neuen
Aufnahmen zurück: D.H., die Leipziger Indie-Punkband, die aus
irgendeinem Grund ihr Dasein nach wie vor im völligen Untergrund
fristet. Mit "Der Mann der barfuss Funken schlug" muss
es jetzt aber, gibt es in diesem schmutzigen Geschäft noch
einen Funken Gerechtigkeit, endlich klappen: Die Platte ist so intensiv,
dass es weh tut und macht trotzdem Spaß. Die elf Stücke
stellen zudem eine klare Weiterentwicklung zu "Kurze Hose,
Holzgewehr" dar. Größte Errungenschaft für
mich: die häufiger eingesetzten mehrstimmigen Vocals, welche
die Musik nochmals mitreißender machen. Denn bei D.H. singt
inzwischen alles, was ein Saiteninstrument in der Hand hält
– und das sind immerhin drei Personen. Vor allen Dingen aber
gibt es Refrains, die einen nicht mehr los lassen. "Endlos
schleifen" beispielsweise erinnert an allerbeste TAGTRAUM-Zeiten,
während "Weltumarmen" oder das finale "Festhalten
mit Loslassen" einfach nur druckvoll und großartig sind.
Zwischenzeitlich wird auch immer wieder richtig gelärmt ("Runkelrueben"),
die engen Schubladen wie Punk oder Emo somit völlig ungezwungen
gesprengt. Außerdem wieder bemerkenswert: die klugen emotionalen
Texte, die im richtigen Moment mit einem Augenzwinkern aufwarten
und zudem in ein interessantes Konzept eingebettet sind. Meine Hoffnung:
Nachdem die heimische Sprache im Punkrock wieder salonfähig
geworden ist, ist die Szene ja vielleicht sogar bereit für
dieses Punkrock-Märchen? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen,
dass es jemanden gibt, an dem „Der Mann der barfuss Funken
schlug“ spurlos vorbei geht. Also: Hallo an alle, die zwischen
MUFF POTTER und dem 'Grand Hotel Van Cleef' zu Hause sind... D.H.
hier sind die vermeintlichen Newcomer, nach denen ihr sucht! Die
LP kommt in großartiger Aufmachung mit 24-seitigem Booklet,
welches das eigenwillige Konzept der Platte perfekt illustriert.
Toll. (34:12) (9) (Sellfish fanzine) Micha
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